Juli 2017 – Review

Long time, no see. Nachdem ich beschlossen habe, meinen Blog wieder aufleben zu lassen, habe ich mir gleich einmal vorgenommen, mich an ein neues Projekt heranzuwagen: Regelmäßige Posts. (“Was??”, schreien einige verstört aus dem Hintergrund.)

Und zwar mit einer monatlichen Kategorie: Was habe ich diesen Monat gelesen, gehört und geschaut? Und wie gut hat mir das gefallen?
Im Juli habe ich nicht ganz so viel geschafft, wie ich gerne wollte (vor allem an der Bücher-Front sieht es etwas mau aus), aber ein paar Sachen für diesen Post sind doch zusammen gekommen.

Filme:
Aufgrund der Klausurenphase, die diesen Monat quasi voll in Anspruch genommen hat, war zwar nicht viel Zeit für Kino, aber einen Film habe ich dann zum Ende hin doch noch gesehen.

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Dunkirk!
Und ja, ich bin die Person, über die (hauptsächlich männliche) Nerds sich in Internet-Foren gerne mal aufregen: Ich habe mir den Film nämlich hauptsächlich für Harry Styles angeguckt und wäre ansonsten wohl nicht reingegangen.
Aber: Wow. Zum Glück spielt Harry in diesem Film mit und zum Glück habe ich ihn mir deswegen im Kino angeguckt, denn er war atemberaubend. Er war spannend in jeder einzelnen Sekunde, ich habe mich buchstäblich die ganze Zeit an den Rand meines Sitzes geklammert und zum Glück saßen meine Schwester und ich nicht in der direkten Nähe von anderen Menschen, denn ab und zu habe ich ein paar peinliche Geräusche von mir gegeben.
Harry war sehr, sehr klasse (ich bin da zwar etwas voreingenommen, aber auch skeptischere Menschen können euch das bestätigen) und auch von seinem Co-Star Fionn Whitehead war ich sehr begeistert. (Die Worte “Nein, Schatz, oh Gott, was machst du denn, please” sind möglicherweise öfter gefallen.) Dafür, dass der Film wenig Dialog hat, wird es trotzdem keine Sekunde langweilig, die Story schafft es die ganze Zeit einen in ihren Bann zu ziehen und der Soundtrack dazu ist einfach. Wow.
Wenn ich die Gelegenheit habe, will ich mir den Film auf jeden Fall nochmal im O-Ton ansehen. Definitiv 5 von 5 Sterne.

Ansonsten habe ich 3 Filme gerewatcht, alle mit meiner kleinen Schwester zusammen.
Another Cinderella Story (auf Dvd), Ein Zwilling kommt selten allein und Plötzlich Prinzessin 2 (beide auf Netflix). Alles romantische Komödien, die wunderbar fluffig und vorhersehbar sind, genau das richtige um mal einen Nachmittag auf dem Sofa zu liegen und Netflix zu gucken.

Außerdem haben wir Samstag noch ein besonderes Highlight auf Netflix entdeckt: Den Hannah Montana Konzertfilm. Falls ihr ähnlich nostalgische Kindheitserinnerungen pflegen wollt, kann ich euch wärmstens empfehlen, den auf der Couch mitzusingen.

Serien:
Seitdem ich meinen Amazon Fire Tv Stick habe (ich wurde bereits gefragt, ob Amazon mich dafür bezahlt Werbung dafür zu machen – leider nein – so sehr schwärme ich von dem Teil), ist mein Leben sehr viel entspannter geworden. Hauptsächlich kann ich jetzt Netflix und Youtube auf meinem Fernseher gucken, ohne umständlich meinen Laptop anschließen zu müssen.
Das habe ich im Juli natürlich sofort ausgenutzt und vor allen die erste Staffel Supergirl geguckt.

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Die war… gut. Nicht atemberaubend, nicht die beste Serie die je produziert wurde und ich habe sie auch nicht in einem Rutsch weggesuchtet und habe gespannt auf die nächste Folge gewartet, aber: Sie war nett und die meiste Zeit sehr süß und witzig und da ich quasi jeden Tag eine Folge beim Essen geguckt habe, war ich dann doch relativ schnell damit durch. Wer von euch auf Superhelden-Serien (vor allem The Flash und Arrow) steht, wird von Supergirl bestimmt ebenfalls nicht enttäuscht sein. (Oder halt doch manchmal etwas enttäuscht, aber vor allem über verschwendetes Potenzial.)

Ansonsten hat ja im Juli Game of Thrones wieder mit der neuen siebten Staffel angefangen und ich bin bisher begeistert wie immer. Endlich passiert mal was, endlich hat man das Gefühl sechs Staffeln auf Dinge warten hat sich gelohnt. Ich bin super gespannt, wie die Staffel weitergeht, aber ich glaube es wird sehr cool werden. (Wer danach noch Lust auf lange Episodendiskussionen hat: Ich schnappe mir jede Woche nach der Folge nochmal ein paar neue Snacks und gucke mir die Reviews von Claudia Boleyn und ihrem Bruder auf Youtube an. Sehr zu empfehlen.)

Bücher:
Mein nagelneuer Goodreads Account (ja, ich habe meinen alten gelöscht und mir dann quasi direkt wieder einen neuen gemacht, tut das nicht) sagt mir, dass ich mein letztes Buch am 30. Juni beendet habe. Aber da ich diese Kategorie nicht komplett leer lassen will: Hier sind zwei schöne, lange Fanfictions, die quasi als Roman gelten könnten und die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte.
Zum einen Like an Endless Summer, ein wunderschönes Erste-Liebe-Sommercamp AU und Because You Saw Me When I Was Invisible, eine etwas andere Version von Plötzlich Prinzessin (also ein AU, das ich diesen Monat quasi passend zu meiner Filmauswahl gelesen habe).

Musik:
Wer mir auf Twitter folgt, weiß, was jetzt kommt: Back To You von Louis Tomlinson feat. Bebe Rexha. Guckt euch das Musikvideo an. Ihr werdet es nicht bereuen.

Tatsächlich habe ich aber im Juli nicht nur Back To You gehört (Schock!), sondern auch ein bisschen meine Liebe für Dua Lipas New Rules und Selena Gomez‘ Bad Liar entdeckt. Definitiv die Top 3 meiner diesjährigen Sommerhits bisher. (Platz 4 und 5 gehen wohl an Malibu von Miley Cyrus und Sweet Creature von Harry Styles.)

anderes:
Diese Kategorie habe ich ein bisschen willkürlich hinzugefügt, aber diesen Monat wird sie auf jeden Fall von einer Youtube-Serie gefüllt. Carrie Hope Fletcher, eine britische Youtuberin und Musical-Darstellerin, spielt im Moment Wednesday Addams in der Neuauflage des Musicals “The Addams Family”, vloggt ihre Musical-Tour und nennt diese Reihe Watch Me, Wednesday! Wenn ihr wie ich auf Behind-the-scenes-Kram und süße Momente mit dem Rest des Casts (*hust* Oliver) steht, dann ist das hier die perfekte Vlog-Serie für euch.

Serienempfehlung: 13 Reasons Why (Tote Mädchen lügen nicht)

Dieses Review wird ein paar Spoiler enthalten, aber nur sehr, sehr wenige ausgewählte, sodass ihr die Serie danach immer noch gucken und hoffentlich mit Spannung verfolgen könnt. Wer trotzdem komplett ungespoilert bleiben möchte, hier ein kurzes Review: Super Serie. Jetzt geht und guckt sie!

Zweite kurze Anmerkung: Ich habe die Serie auf Englisch geguckt, danach aber auch zwei Folgen auf Deutsch und keine dramatischen Unterschiede festgestellt. Sucht euch eure Lieblingssprache aus.

Inhalt: Der Roman handelt von der Schülerin Hannah Baker, die sich isoliert fühlt, jedes Vertrauen verliert und beschließt, mit einer Überdosis Tabletten in den Tod zu gehen. Zuvor dokumentiert sie auf 7 Kassetten mit 13 Seiten, welche Gründe und Signale es für ihren Suizid gegeben hat. Sie benennt 13 Gründe für ihren Suizid, der durch 13 Personen ausgelöst worden sei. Clay Jensen findet nach ihrem Tod das Päckchen mit den Kassetten vor. Auch er zählt zu den 13 Personen, die zum Suizid Hannahs beigetragen haben sollen. (Quelle: Wikipedia)

Meinung: Zur Einleitung muss ich euch etwas über mich und das Buch, auf dem die Serie basiert, erzählen. Wenn ich sage, dass ich Tote Mädchen lügen nicht vorher gelesen habe, meine ich nicht, wie ich es von Freunden gehört habe, dass ich das Buch kurz nach Erscheinung einmal gelesen und dann wieder vergessen habe. Ich habe es als Teenager verschlungen, ich hatte es hinter meinem Bett stehen, ich habe es mit Sicherheit mehr als drei Mal gelesen und ich bin mir relativ sicher, dass ich es auf SchülerVZ in der Kategorie “Meine Lieblingsbücher” angegeben hatte.

Entsprechend skeptisch war ich, als ich von der Verfilmung gehört habe. Die Gefahr, dass zu viel weggelassen wurde, war zwar bei einer Serie geringer als bei einem Film, trotzdem können auch Serienverfilmungen vom Buch deutlich abweichen, siehe erfolgreiche Serien wie Pretty Little Liars oder The Vampire Diaries. Beide gehören zu meinen Lieblingsserien, bei beiden bin ich allerdings auch froh niemals die dazugehörigen Bücher in der Hand gehabt zu haben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Serie wird dem Buch gerecht. Es gibt Veränderungen, klar, aber keine die mir den Spaß an der Serie genommen hätten oder wegen denen ich ständig bissige Kommentare à la “Das war im Buch aber anders” beim Schauen abgeben musste. (Es hat einen Grund warum niemand mehr mit mir die Harry Potter Filme gucken will.)

Im Buch hört Clay die Tapes an einem Tag und in einer Nacht, was seinen Charakter irgendwie etwas glaubwürdiger macht und nicht so, ähm, dämlich erscheinen lässt wie in der Serie.
Ich kann verstehen, warum sie das verändern mussten und dass sie die komplette Gegenwarts-Storyline hinzugefügt haben, trotzdem hätten teilweise 40 Minuten pro Folge und etwas weniger “Sag mir was das alles zu bedeuten hat” von Clay’s Seite der Serie gut getan.

Allerdings war die Storyline, die nicht aus den von Hannah erzählten Flashbacks bestand, so auch völlig neu für mich und hat die Serie für mich spannend gemacht. Die Charaktere, die in den Flashbacks teilweise wie eindimensionale, egoistische High-School-Schüler, die Hannah einfach nur das Leben zur Hölle gemacht haben, wirkten, haben so für mich an Dimension gewonnen. (Ich muss sogar zugeben, dass ich mich am Ende dabei erwischt habe Mitleid mit Justin Foley zu haben. Möglicherweise sind die Worte “Armes Baby” gefallen. Ich will nicht darüber reden.) Auch wenn ich einer Freundin von mir zustimmen muss, die meinte die Moral dieser ganzen Serie wäre: Jungs auf der High School sind die Ausgeburt allen Übels dieser Welt.

Kommen wir zu meiner Lieblingsveränderung: Im Buch gibt es keine queeren Charaktere. In der Serie sind es mindestens vier, über ihre Sexualität wird geredet, sie spielen eine Rolle, aber sie sind auch genau wie alle anderen Charaktere: Menschlich, mit Fehlern, die teilweise zu Hannah’s Tod geführt haben.
Einer davon ist Tony, der im Buch eher unwichtig ist: Er hat das zweite Set Tapes, ja, aber außer Clay weiß keiner davon, über seine Sexualität wird genauso wenig geredet wie darüber, was er überhaupt von den ganzen anderen auf der Liste hält. Er ist nur ein Nebencharakter, mit dem Clay kurz interagiert.
Das Buch erzählt fast nur Hannah’s Geschichte, die Serie erzählt noch so viele mehr.

Ein weiteres Lob geht an Hannah und ihre hervorragende, wundervolle Schauspielerin. Katherine Langford ist für mich Hannah, sie ist die Person, die ich im Buch gesehen habe ohne es zu wissen. Der ganze Cast ist klasse, ähnlich wie man es von einer Netflix Show erwartet. (Auch wenn Serien!Clay nicht ganz meiner Vorstellung von Buch!Clay entspricht, kann ich definitiv Dylan Minnette keinen Vorwurf machen: Er hat toll gespielt.)

Insgesamt erfüllt die Serie viele Erwartungen: Sie ist spannend, aufwändig produziert, die Musikauswahl ist klasse und sie hat Suchtpotenzial.
Ich habe die ganze erste Staffel an fast einem Tag durchgeguckt, einfach weil ich nicht aufhören konnte.

Der vielleicht wichtigste Punkt für mich aber ist dieser hier: Die Emotionen haben sich echt angefühlt.
Die Charaktere waren echt, Hannah war für mich in dem Moment wo ich das Buch gelesen habe und auch in dem Moment als ich die Serie geschaut habe, eine echte Person, deren Gefühle ich in jeder Sekunde gefühlt habe, in der sie ihre Geschichte erzählt hat.

Es gibt einige sehr graphische – vielleicht zu graphische – Darstellungen von sexueller Gewalt und auch von ihrem Suizid, aber vielleicht hat das die Story auch noch realer gemacht, ich kann es schlecht beurteilen.
Gerade das Thema der sexuellen Gewalt ist, meiner Meinung nach, jedoch mit der nötigen Vorsicht dargestellt und zeigt hoffentlich ein paar Leuten, die diese Serie gucken, wie Rape Culture von der anderen Seite aussieht. (Hier ist übrigens eine Liste von möglichen Triggern der einzelnen Folgen.)
Ich habe mehrmals offen geweint während ich die letzten Folgen geguckt habe, mit Clay, mit Jessica und vor allem mit Hannah.

Das Ende war mir persönlich, nach all den Folgen vorher, die sich teilweise zu langgezogen anfühlten, etwas zu hastig. (Was nicht heißt, dass ich mir eine zweite Staffel wünsche. Ich finde manche Dinge sollte man einfach abgeschlossen stehen lassen.)

Falls ihr immer noch überlegt, ob ihr sie gucken sollt: 13 Reasons Why ist keine fröhliche Serie, sie ist schockierend, spannend, emotional und tieftraurig, aber sie ist, vielleicht auch aus genau diesen Gründen, verdammt brilliant.

[Edit: Ich habe dieses Review geschrieben, bevor ich überhaupt viel von der Diskussion was die Problematik dieser Serie betrifft, mitbekommen habe. Einige Punkte dieser Diskussion sind für mich sehr nachvollziehbar – vor allem, dass die Serie Suizid teilweise zu sehr romantisiert und gefährdeten Jugendlichen eher schadet statt ihnen zu helfen. In diesem Review geht es fast ausschließlich darum, wie gut die Serie im Vergleich zum Buch umgesetzt wurde und wie „spannend“ sie ist. Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben wie „sinnvoll“ sie tatsächlich ist, da ich selbst keine Betroffene oder Expertin bin und die Serie einfach aus einer reinen „Entertainment-Perspektive“ beurteilt habe.]

Was mir das Internet beigebracht hat.

Manchmal hasse ich das Internet. Manchmal lese ich nämlich Kommentare unter Youtube Videos, manchmal lese ich Sachen auf dem Instagram von Stars, manchmal teilen Leute Dinge auf Facebook, bei denen ich in Versuchung geraten würde meinen Account zu löschen, bräuchte ich ihn nicht für Uni-Kram.

Aber manchmal, wenn ich mir so all die Dinge im Internet angucke, die mich wütend machen, denke ich doch darüber nach, was ich persönlich dem Internet alles zu verdanken habe. Wie viel Gutes doch manchmal zwischen dem ganzen Mist, durch den man sich täglich durchschaufeln muss, steckt.

Fangen wir diese Geschichte bei meinem 11-jährigen Ich an.

Zu diesem Zeitpunkt bestand meine Erfahrung mit dem Internet aus diversen Kiddinx-Spielen, unter anderem hat das Internet mir also beigebracht wie ich mich um virtuelle Pferde bei Bibi&Tina kümmern musste, aber das ist nicht unbedingt der Punkt um den es mir hier geht. (Obwohl ich natürlich behaupten könnte, das ganze hätte mir etwas über Verantwortungsgefühl beigebracht. Hauptsächlich hat es mir wahrscheinlich nur gezeigt wie schnell man nach Online-Games süchtig werden kann.)

Meine erste richtige Erfahrung waren Harry Potter-Websites. (Ihr wisst schon, virtuelles Hogwarts und so.) Auf einer dieser Websites fing ich an, Fanfictions zu lesen und irgendwann auch selbst zu schreiben. Warum das einer der Punkte ist, für die ich dem Internet dankbar bin? Weil da Menschen waren, die sich die wirklich grottenschlechten ersten Versuche meines Fünftklässler-Ichs irgendetwas zu schreiben durchgelesen haben und Dinge kommentiert haben wie “Du hast einen richtig schönen Schreibstil, mach weiter so”. Und weil da Menschen waren, die tausend Mal besser geschrieben haben als ich und auch um einiges älter waren und die trotzdem nicht den Drang verspürten, einem 11-jährigen Mädchen zu sagen, was für einen Murks es sich da zusammen schrieb und was für einen Plot meine Geschichte überhaupt hatte. (Obwohl mir das vielleicht wirklich mal jemand hätte sagen sollen. Es gab nämlich tatsächlich keinen Plot. Oder sonst irgendwas das die Story lesenswert gemacht hätte.)

Ich bin denjenigen, die die schönen Fanfictions geschrieben haben, auch dankbar dafür, dass sie mir Dinge beigebracht haben, darüber wie die Welt funktioniert. Ich, auf dem Dorf aufgewachsen, wusste zwar (dank meiner Mama und einem Bilderbuch) was Homosexualität war, aber eine Geschichte über Remus und Sirius fand‘ ich damals doch erstmal komisch. Doch da fing das Internet zum ersten Mal an, mir beizubringen, was es außerhalb meines persönlichen Weltbildes noch gab. (Diese Story hat mir allerdings nicht dazu verholfen, Remus und Sirius zu shippen, obwohl sie, soweit ich mich erinnere, echt gut war. Sorry.)

Natürlich hat das Internet im Laufe der Jahre auch auf andere Weise zu meiner Aufklärung beigetragen (ich habe Smut gelesen, über den ich nicht reden möchte, treibt euch nie auf deutschen Fanfiction-Seiten rum), aber hauptsächlich hat es mir unter anderem beigebracht, ein weltoffener und toleranter Mensch zu werden.

Vielleicht wäre ich das auch ohne das Internet, aber ich glaube mit dem Internet habe ich viele Dinge gelernt, von denen ich sonst keine Ahnung hätte. Wenn ein Star mal wieder irgendeinen fragwürdigen Kommentar abgibt, bin ich die Person, die mit den Augen rollen und “informier dich doch mal besser” murmeln kann. Warum ich weiß, dass dieser eine bestimmte Witz oder jene Aussage vielleicht etwas problematisch war, während besagte Person der Öffentlichkeit (ja, okay, ich rede über Jennifer Lawrence) da vielleicht noch nie drüber nachgedacht hat, liegt tatsächlich zu großen Teilen, am Internet. Dafür gab es zwei wichtige Orte bei mir.

Der erste Ort war Twitter, der zweite war – jetzt dürft ihr alle kollektiv einmal stöhnen – Tumblr.

In letzter Zeit ist es irgendwie so üblich geworden “Die hat ihr Wissen doch eh nur aus Tumblr Posts” zu sagen, wenn jemand (vor allem ein junges Mädchen) eine Meinung im Internet hat. Und ich bin die erste, die weiß, dass auf Tumblr, wie auf jeder anderen Website, Lügen verbreitet werden, man Quellen überprüfen muss, und “problematisches Verhalten aufzeigen” dort manchmal viel zu weit geführt wird. Aber manchmal kann man auch tatsächlich durch Tumblr Posts Dinge lernen. Natürlich kann man nicht die komplette Geschichte der LGBT+ Community aus Tumblr Posts erfahren. (Oder vielleicht doch wenn man lange genug sucht, ich weiß es nicht.)

Aber ich habe trotzdem einiges darüber gelernt, nachdem ich mir mit 13 einen Account erstellt hatte. Ich habe viel über Rassismus und Sexismus gerlernt, ich habe durch irgendwelche witzigen Posts das Wahlprogramm von Mitt Romney 2013 in Frage gestellt und mich näher darüber informiert, und als mal jemand Tyler Oakley als rassistisch bezeichnete, führte das dazu, dass ich erstmal gegoogelt habe, worum es bei der ganzen Sache eigentlich ging. Natürlich sollte man sich sein Wissen also nicht nur von Tumblr Posts holen, und erst Recht nicht aus Tweets, die ja (noch) nur 140 Zeichen lang sind.

Trotzdem habe ich auch von Twitter so viel gelernt, dass ich es nicht alles hier zusammen fassen kann. Wenn meine Eltern mich manchmal über den Frühstückstisch hinweg vorwurfsvoll anschauten und “Du könntest ja auch mal anfangen Zeitung zu lesen” murmelten, dann hätte ich entgegnen können, dass Artikel von Zeitungen der ganzen Welt auf meinem Twitter-Feed geteilt werden, dass ich über die Anschläge von hier-beliebigen-Ort-einfügen schon eine halbe Stunde nachdem sie passiert sind, Bescheid wusste, dass ich die politische Debatte, die gerade geführt wird, schon auf Twitter verfolgt habe.

Natürlich habe ich Tumblr und Twitter hauptsächlich immer dazu genutzt um mich über Serien, Filme, Stars oder eben gerade das Fandom meiner Wahl auszulassen, aber nebenbei hat das Internet mir nicht nur beigebracht, warum es die eine Folge Supernatural so gut fand‘, sondern auch, warum es problematisch ist alle seine weiblichen Charaktere nach ein paar Folgen umzubringen, es hat mir beigebracht, wie wichtig Repräsentation in den Medien für Minderheiten ist und so viele andere Dinge, über die sich viele, die damals mit mir zur Schule gegangen sind und die das Internet nur dafür nutzten, um ab und zu mal ein Video auf Facebook zu liken, überhaupt noch nie Gedanken gemacht hatten.

Damit will ich nicht sagen, dass ich die super toleranteste und unproblematischste Person aller Zeiten war und die anderen waren einfach nur dumme Idioten, nein, der Grund warum ich mir diese Gedanken gemacht habe, war, dass das Internet mich dazu gebracht hat. Ich war in den Ecken des Internets unterwegs, das solche Dinge interessiert hat. Denn so sehr sich über (vor allem) junge Mädchen, die Fans von etwas sind, im Internet lustig gemacht wird: Nebenbei verstehen diese jungen Mädchen, die so viel Zeit im Internet verbringen, doch einiges über die Welt, was ihnen vielleicht nicht in der Schule beigebracht wird. So ging es jedenfalls mir.

Also: Danke, liebes Internet. Dafür, dass du mich als Teenager dazu gebracht hast, die Dinge in meinen Timelines und auf meinen Dashboards zu sehen, die mich zum Nachdenken gebracht haben, danke, dass du doch, auch wenn du manchmal noch so verloren scheinst, einiges richtig machst.

Rezension: Carry On

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Inhalt: (Auf Englisch, da es im ganzen Internet keine deutsche Inhaltsangabe gibt, weil es auch noch nicht sicher ist, wann und ob das Buch übersetzt wird.)
Simon Snow is the worst Chosen One who’s ever been chosen.
That’s what his roommate, Baz, says. And Baz might be evil and a vampire and a complete git, but he’s probably right.
Half the time, Simon can’t even make his wand work, and the other half, he starts something on fire. His mentor’s avoiding him, his girlfriend broke up with him, and there’s a magic-eating monster running around, wearing Simon’s face. Baz would be having a field day with all this, if he were here–it’s their last year at the Watford School of Magicks, and Simon’s infuriating nemesis didn’t even bother to show up.
(Quelle: Amazon)

Meinung: Wer Fangirl von Rainbow Rowell gelesen hat, hat sich vielleicht, ähnlich wie ich, in Simon und Baz verliebt, die Charaktere, über die Cath mit so viel Hingabe über Jahre hinweg Fanfictions schreibt.

Während ich Fangirl gelesen habe, habe ich mich zwischendurch dabei erwischt, wie ich ungeduldig weiter geblättert habe, bis endlich wieder ein Ausschnitt aus einer von Cath‘ Fanfictions kam. Denn auch wenn sie in Fangirl nur eine Nebenrolle spielten, waren Simon und Baz doch irgendwie der wichtigste und schönste Teil des ganzen Buches für mich.
Nachdem ich Fangirl beendet hatte, habe ich monatelang auf Carry On gewartet und hingefiebert und ich muss sagen: Ich bin nicht enttäuscht worden.

Carry On ist wie eine Fanfiction, und das meine ich ausschließlich positiv, denn es hat alle Elemente, die mich so oft dazu bringen, Fanfictions klassischen Büchern vorzuziehen.
Das Enemies-to-Lovers-Element über das ich so gerne Fanfictions lese, ist einfach so wundervoll ausgearbeitet, auch wenn ich Simon bis zur Hälfte des Buches ab und zu gerne mal eine geklatscht hätte, weil er so ahnungslos war.
Baz ist alles was ich mir von seinem Charakter erhofft hatte und noch viel mehr: Er ist der Charakter, der tough wirkt, dem man aber eigentlich einen warmen Kakao machen und in den Arm nehmen will. (Also meine Art von Charakter. Ich bin leicht zu durchschauen.)

Und Simon und Baz zusammen sind einfach unfassbar real. Ihre Dialoge, ihre Art miteinander umzugehen, alle ihre Szenen sind so wunderschön, dass mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch tatsächlich ist: Noch mehr davon. Ich weiß, das Buch ist quasi Simon und Baz‘ Liebesgeschichte, aber mir war der restliche Plot zwischendurch ehrlich gesagt meistens ziemlich egal, ich wollte eigentlich nur noch mehr Szenen von den beiden zusammen.

Welchen Charakter ich aber auch noch klasse fand‘, ist Simon’s beste Freundin Penny. Sie ist wundervoll, lebensfroh, furchtlos, unglaublich intelligent und ihre Kommentare über Sexismus waren eins meiner absoluten Highlights.
Da das Buch zwischendurch Sichtweisen wechselt und es auch ein paar Abschnitte aus Penny’s Sicht gibt, hätte ich mir allerdings doch ein paar mehr Anmerkungen zu Simon und Baz gewünscht.
Insgesamt sind die Nebenfiguren alle sehr liebevoll ausgearbeitet und machen die magische Welt von Carry On zu etwas besonderem, sie haben mir nur manchmal Simon und Baz zu sehr das Spotlight gestohlen.

Zum Schluss kann ich nur sagen: Wenn ihr Fangirl gelesen habt oder wenn ihr jemals eine Fanfiction gelesen habt, oder wenn ihr Liebesgeschichten und Fantasy mögt, oder ihr mal ein nicht ganz so heteronormatives Klischee-Jugendbuch lesen wollt: Carry On ist bestimmt etwas für euch.

Rezension: Magisterium – Der Weg ins Labyrinth

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Inhalt: Geschlagen mit einem lahmen Bein und einer scharfen Zunge ist der zwölfjährige Callum nicht gerade der beliebteste Junge auf dem Planeten. Doch das ist erst mal sein geringstes Problem. Denn just in diesem Moment befindet er sich auf dem Weg ins Magisterium. Der unterirdischen Schule für Zauberei. Ein dunkler und geheimnisvoller Ort. Dort soll er bei Master Rufus, dem mächtigsten Magier der Schule, in die Lehre gehen. Doch alles was Call über ihn und das Magisterium weiß, lässt ihn befürchten, das erste Schuljahr nicht lebend zu überstehen. (Quelle: Amazon)

Meinung: Vorab muss ich sagen, dass ich zu diesem Buch einige eher mittelmäßige Rezensionen gelesen habe. Keine super schlechten, aber niemand war so wirklich begeistert, deswegen bin ich mit relativ niedrigen Erwartungen an diesen Roman heran gegangen. Aber: Schon nach den ersten hundert Seiten habe ich gemerkt, dass ich aufhören sollte Rezensionen zu lesen und mir zu allem nur noch meine eigene Meinung bilden werde, denn: Ich habe mich sofort in alles verliebt.

Da wäre zum einen die Hauptperson Call, die viele als eher unsympathisch beschrieben haben, aber ich habe ihn irgendwie sofort ins Herz geschlossen. Er ist sarkastisch, authentisch und man nimmt ihm trotz seines schon sehr weit entwickelten Humors trotzdem irgendwie ab, dass er erst zwölf ist Vor allem zum Ende hin, wenn er schwierige Entscheidungen treffen muss, saß ich beinahe die ganze Zeit “Aber er ist doch noch ein Baby” vor mich hinmurmelnd da.

Aber auch vor allem Tamara hat sich schnell zu einer meiner Lieblinge entwickelt, spätestens seitdem sie ein Shirt mit der Aufschrift “Ich kämpfe wie ein Mädchen” mit darunter abgebildeten kämpfenden Ninja-Mädchen trug.

(Und: Es gibt einen Babywolf namens Mordo, den ich am liebsten adoptiert hätte, weil: Awww, Babywolf.)

Ein weiterer Punkt, den ich in Rezensionen mehrmals gelesen habe, ist die Ähnlichkeit zu Harry Potter. Den kann ich nicht komplett abstreiten, will ich aber auch eigentlich gar nicht, denn: Ich finde, die Ähnlichkeit war keinesfalls so, dass ich das Gefühl hatte, quasi Harry Potter in neuerzählt zu lesen. Es gab nur gerade so viele Parallelen, dass mich die Geschichte verzaubert hat, dass ich mich erinnert habe, wie toll eigentlich magische Schulen sind (meine Hauptfaszination zum Beispiel mit der House of Night-Reihe oder Vampire Academy waren auch immer der Aufbau der übernatürlichen Schulen) und an einem Punkt habe ich in Bezug auf Call und seine Freunde tatsächlich gedacht: “Oh, my golden Trio.” Aber nicht so, dass sie wirklich Ähnlichkeit vom Charakter her mit Harry, Ron und Hermine hätten, sondern eher, weil in ihrer Freundschaft genauso viel Potenzial steckt und ich sie ähnlich schnell ins Herz geschlossen habe.

Die Ausbildung der Schüler, vor allem bestimmte Konzentrationsaufgaben, hat mich eher an die von Eragon statt Harry Potter erinnert. (Was ich auch verdammt toll fand‘, denn Eragons Ausbildung war für mich eins der Highlights überhaupt.)

Die Kulisse, das Magisterium, ist ebenfalls etwas, über das ich stundenlang schwärmen könnte. Die Autorinnen haben es geschafft, dass sich in meinem Kopf ein komplettes Bild der wunderschönen Akademie befindet und das, obwohl ich über Landschaftsbeschreibungen meist gelangweilt hinweg lese. (Vielleicht ist das der Grund, warum ich bei Herr der Ringe immer noch in Band 2 festhänge.)

Für alle die “Der Nachtzirkus” gelesen haben: Es ist nicht ganz die gleiche Magie, aber die bis ins Detail ausgearbeitete Schule hat mich ein bisschen an das Gefühl des Zirkus‘ erinnert.

Da die Schüler alle noch zwölf sind, gab es noch keine Liebesgeschichte (das ist keine Kritik, sie hat nicht gefehlt), aber ich sehe so viel Potenzial in den folgenden Büchern dafür, ich kann es kaum erwarten. (Mein Endgame-Tipp sind Tamara/Call. Denkt dran: You heard it here first.)

Das wichtigste aber, der eigentliche Grund warum ich das Buch am Ende zugeklappt habe und mit einem “Wow”-Gefühl zurück geblieben bin, war die Storyline. Der Plot baut sich langsam auf, aber es gibt einen fantastischen Höhepunkt und einen genialen Plottwist, den ich wirklich nicht erahnt habe und ich war wieder an all die tollen Dinge erinnert, die ich von Cassandra Clare schon aus “Chroniken der Unterwelt” gewöhnt war. (Inklusive ihrem fantastischen Schreibstil und den teilweise wirklich genialen humorvollen Kommentaren ihrer Charaktere.)

Von Holly Black habe ich bisher außer diesem Roman noch nichts gelesen, werde das aber so bald wie möglich nachholen, denn: Wenn sie an dieser Reihe mitwirkt, muss sie einfach gut sein.

Die Magisterium-Reihe wird insgesamt aus fünf Teilen bestehen, und ich glaube wirklich, dass ich mir den zweiten gleich erstmal vorbestellen muss.

Was ich will.

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Ich will die Welt bereisen. Ich will eine Serie an einem Stück gucken, ohne wirklich aufzustehen. Ich will lachen, bis mir der Bauch wehtut. Ich will fliegen. Ich will sechsundzwanzig Sprachen sprechen können. Ich will kochen können – also so richtig. Ich will einen Tag lang nur glücklich sein. Ich will nie wieder eine mündliche Prüfung haben müssen. Ich will jede Woche ein Buch durchlesen. Ich will ans Meer. Ich will alle 4664 Folgen Verbotene Liebe gucken. Ich will niemals jemanden verlieren müssen. Ich will einen Roman schreiben. Ich will einen Platz irgendwo im Wald haben, der nur mir gehört. Ich will Charaktere aus Büchern herauslesen (wie Meggie aus Tintenherz). Ich will heiraten. Ich will, dass der Bus zu meiner Wohnung nach 19 Uhr und an Sonntagen fährt. Ich will Anna Karenina durchlesen. Ich will eine Woche lang schlafen. Ich will, dass Menschen die ich nicht kenne, oder die nicht wirklich existieren, sich ineinander verlieben. Ich will einen Roadtrip machen. Ich will nach Hogwarts gehen. Ich will günstigere Bahnpreise. Ich will, dass meine Familie und Freunde glücklich sind. Ich will Ärztin werden. Ich will richtig gut Gitarre spielen können. Ich will mir einen traurigen Film angucken und Rotz und Wasser heulen. Ich will in der Zeit reisen können. Ich will alle meine Lieblingsbücher nochmal zum ersten Mal lesen. Ich will Kinder. Ich will im Regen tanzen ohne dass mich jemand sieht. Ich will mich nicht mehr darum kümmern was andere von mir denken. Ich will regelmäßiger Blogeinträge schreiben. Ich will niemals traurig sein. Ich will Türen öffnen. Ich will, dass sich mir Türen öffnen. Ich will Weltfrieden. Ich will schöne Liebesgeschichten lesen. Ich will aufhören alles vor mir herzuschieben. Ich will in der Lage sein weniger als 8 Stunden zu schlafen und trotzdem wach zu sein. Ich will teure Apple-Produkte haben. Ich will auf einer Bühne vor einem riesigen Publikum singen. Ich will Glück haben. Ich will, dass meine OTPs zusammen kommen. Ich will, dass Sebastian Vettel wieder Formel 1 Weltmeister wird. Ich will, dass niemand mehr Angst haben muss. Ich will ohne Anstrengung lernen. Ich will mich verlieben. Ich will zaubern können. Ich will in einem fiktionalen Universum leben. Ich will meine Träume leben. Ich will keine Angst mehr haben. Ich will jeden Tag essen gehen. Ich will mehr gute Fanfictions über Zeitreisen. Ich will Dinge schreiben ohne darüber nachzudenken wer sie lesen könnte. Ich will früh aufstehen und Energie haben. Ich will zu einer Hochzeit eingeladen werden. Ich will alle Serien beenden, die ich angefangen habe. Ich will in einem Coffeeshop AU leben. Ich will, dass Krebs geheilt wird. Ich will Bänke an der Fernbushaltestelle in Kassel-Wilhelmshöhe. Ich will mir nie wieder Sorgen machen. Ich will meine Freunde regelmäßig sehen. Ich will so laut schreien wie ich kann. Ich will nach Venedig. Ich will Herzensmenschen aus dem Internet treffen. Ich will mich besser ernähren. Ich will alle meine Klausuren bestehen. Ich will einen Wasserfall sehen. Ich will eine Woche im Kino verbringen. Ich will wissen welche Dinge im Internet gelogen sind und welche nicht. Ich will einen Tag nur draußen sitzen und lesen. Ich will zaubern können. Ich will in einer Großstadt leben. Ich will Sterne beobachten. Ich will etwas schreiben, das länger als 10.000 Wörter ist. Ich will Leben retten. Ich will niemals erwachsen werden. Ich will eine Party nach zwei Stunden wieder verlassen. Ich will Gleichberechtigung. Ich will, dass hohe Schuhe gemütlich sind. Ich will zu Dan und Phil’s Hochzeit eingeladen werden. Ich will alle Dolly Bücher nochmal lesen. Ich will einen Zeitumkehrer haben. Ich will, dass Intoleranz ausstirbt. Ich will auf einem Schloss wohnen. Ich will meine Lieblingsseriencharaktere wieder zum Leben erwecken. Ich will wieder auf einem galoppierenden Pferd sitzen. Ich will eine riesige Bibliothek. Ich will wissen was für eine Fachärztin ich werden will. Ich will in die Zukunft sehen. Ich will auf jede Frage, die ich habe, eine Antwort. Ich will, dass ihr glücklich werdet.

I was enchanted to meet you.

Wie ein paar von euch vielleicht auf Twitter gelesen haben, war ich am Samstag auf einem Taylor Swift-Konzert in Köln (meinem zweiten, das erste Mal war 2011, in einer noch nichtmal ausverkauften Arena in Oberhausen) und es war wundervoll und klasse und magisch und statt einfach nur ein paar Videos zu twittern, hatte ich die Idee, das ganze in einem kurzen Blogpost zu kombinieren.

Zuerst einmal: Es gab nur Sitzplätze, was ich immer ein bisschen schade finde, und die Sitzplätze unten in dem Bereich, in dem man normalerweise steht, waren für mich leider nicht zu bezahlen. Trotzdem finde ich, dass wir tolle Plätze hatten, man konnte alles überraschend toll sehen. (Vor allem da wir in unserem Rang in der ersten Reihe waren, uns also quasi fast direkt bis vor’s Gitter stellen konnten.)

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Als wir in die Halle kamen, wurde laut Twenty One Pilots gespielt, es wurden zwei Stunden lang Behind The Scenes Videos von Taylor gezeigt, und da wir Sitzplätze hatten, konnten wir ungestört unsere Plätze verlassen, um auf Toilette zu gehen, ohne sie zu verlieren, es war fantastisch.

Vorband war der wundervolle James Bay, von dem ich – wie viele von euch bestimmt auch – vorher nur „Hold Back the River“ kannte, aber lasst mich euch versichern: Er hat noch ein paar wirklich, wirklich tolle weitere Lieder, er singt live absolut fantastisch und Hold Back the River hätte mich beinahe zum Weinen gebracht. (Einfach nur weil ich so glücklich darüber war, es live hören zu dürfen. Ich hab‘ leider keine gute Aufnahme von diesem bestimmten Auftritt auf Youtube gefunden, also müsst ihr mir einfach glauben, wenn ich sage wie wundervoll es war.)

Und das eigentliche Konzert kann ich eigentlich gar nicht wirklich beschreiben, denn: Man muss natürlich dabei gewesen sein. Ein paar Dinge aber, die ich sagen kann, bevor ich euch mit Youtube-Videos zuspamme: Taylor singt fantastisch, sie tanzt fantastisch und sie spielt immer noch (auch wenn sie es natürlich bei diesem Konzert nicht so oft wie früher getan hat) fantastisch Gitarre.

Vor dem Konzert haben alle eine Art Leuchtarmband bekommen, das erst zu Konzertbeginn anfing zu leuchten und irgendein Techniker hatte da wohl eine Fernbedienung in der Hand, sodass die Armbänder der ganzen Halle in verschiedenen Farben immer passend zur Musik leuchteten: Es sah wunderschön aus. [Außerdem hatten super viele Fans irgendwelche Leuchtschilder gebastelt oder sich Lichterketten an die Klamotten gemacht, die Halle sah so bunt und leuchtend aus.]

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(Man sieht nicht viel, aber die Gestalt in der Mitte ist Taylor. Sorry, I tried.)

[Hier hatte ich ursprünglich Youtube-Videos von Taylor’s Auftritten eingefügt, aber anscheinend will sie nicht, dass irgendjemand der nicht da war ihre Show zu sehen bekommt, sorry.]

Und hier sind schlussendlich die kurzen Ausschnitte, die ich (und Mina, die mit mir auf dem Konzert war), selbst gefilmt haben, unter anderem Love Story, was für mich einer der schönsten Auftritte des Abends war, denn dieses Lied habe ich schon 2011 live gesehen und es war einfach wahnsinnig toll, es jetzt in dieser Form wieder zu hören.

(Hier, von Mina gefilmt, Blank Space und das Abschlusslied, Shake It Off. Have a wonderful night people. I sure did.)

Fandoms oder „How to Become a Fangirl“

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Ich glaube, dieser Post sollte mit einer kurzen Einleitung beginnen: Ich bin in vielen Fandoms. Ich war in meinem Leben schon in vielen Fandoms. Ich werde wohl immer in irgendeiner Weise in irgendwelchen Fandoms sein. (Ich sehe mich schon mit 70 obsessiv die Apothekenumschau fangirlen.)

Ein kurzer Rückblick auf meine Fandomgeschichte, damit das hier auch alles Kontext hat. (Mein Fandombuch könnte euch schonmal einen kurzen Überblick verschaffen.)

Ich weiß nicht genau, wie es anfing, aber wahrscheinlich so wie bei uns allen: Mit Harry Potter.
Nachdem das Internet nämlich billiger wurde und ich im Alter von 11 Jahren (Juli 2007) wütend war, dass ich noch nicht genug Englisch konnte, um den siebten Teil auf Englisch zu lesen, also 3 Monate länger warten und von den mageren Spoilern meiner Mutter leben musste (die letzte Seite hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach gelesen), beschloss ich, dem Hp-Fc (kurz für Harry Potter Fanclub) beizutreten und dort Fanfictions von Leuten zu lesen, die den siebten Teil schon kannten. Diese Fanfictions waren nämlich extra in einer Spoiler-Ecke, eigentlich um Menschen wie mich davor zu bewahren, sie zu lesen.

Das war nicht ganz meine erste Erfahrung mit dem Harry Potter Fandom (ich war auch schon Mitglied bei “Hogwarts ist klasse” und diversen anderen Seiten gewesen), aber damals bin ich zum ersten Mal mit Fanfiction in Berührung gekommen und habe, nachdem ich einige wirklich tolle gelesen hatte [(x), und (x)], irgendwann auch selbst mitgemacht.

Diese ersten Schreibversuche existieren mittlerweile nur noch auf meiner Festplatte (und das ist auch gut so, glaubt mir), aber wenn ich darüber nachdenke, dass ich als 11-jährige so und vor allem so viel geschrieben habe, bin ich doch etwas stolz. (Ich hieß Ginny777, falls mich irgendjemand damals kannte: Ich würde so viel darum geben zu wissen, was aus euch geworden ist.)

Nachdem ich also Freunde im Harry Potter Fandom gefunden hatte, mit denen ich sogar auf Schüler-VZ (ja, wir befinden uns in diesem Zeitraum) schrieb und telefonierte, war es so, als hätte ich zum ersten Mal erfahren, was Fandom bedeutet. Damals natürlich noch ohne diesen Begriff, und obwohl ich am liebsten Fanfictions über James/Lily oder Harry/Ginny las, und mein 11-jähriges Ich Remus/Sirius irgendwie seltsam fand (tue ich immer noch, sorry, habe aber trotzdem mit 12 Jahren eine ewig lange Fanfiction über die beiden gelesen, weil sie von meiner Lieblingsautorin und richtig gut war), wusste ich natürlich noch nicht, dass man das ganze als “shippen” bezeichnet. Tat man damals vielleicht auch noch nicht.

Wir springen ins Jahr 2009, Ende meiner siebten Klasse, ich war mittlerweile fast 13. Die erste Staffel von Gossip Girl und von 90210 wurde immer Samstags Nachmittags auf ProSieben ausgestrahlt, da ich das ganze aber erst nach der sechsten Folge entdeckte, habe ich an zwei Abenden auf illegalen Wegen (*hust* myvideo), alle verpassten Folgen aufgeholt.

Von da an habe ich immer auf die neue Folge im Fernsehen gewartet. Bei 90210 verlor ich irgendwann den Anschluss und die Lust (ich bin bis heute nicht über Staffel 1 hinaus gekommen), aber Gossip Girl blieb hängen. Gossip Girl war die erste Serie, die ich, nachdem ich die ersten beiden Staffeln im Fernsehen gesehen hatte, auf Englisch weiter schaute.
Damals noch ohne irgendetwas zu verstehen (wie das mit den Untertiteln auf illegalen Seiten ging wusste ich natürlich auch nicht, habe das ganze auf Youtube gespiegelt und in vier Teile aufgeteilt geguckt, wo es einen Tag später wieder gelöscht wurde), das meiste der Story habe ich also aus den Bildern erschlossen.

Ich erinnere mich noch so genau an das Staffelfinale der dritten Staffel Gossip Girl, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich auch angefangen Vampire Diaries auf Englisch zu gucken und fing langsam an, zu verstehen was überhaupt gesagt wurde. Vor dem Finale schaute ich mir die Promo gefühlte 100 Mal an, denn es ging mir um mein OTP: Chuck und Blair. Mein erstes richtiges Ship, von dem ich wusste, dass es eins ist. (Ich bin mir immer noch nicht sicher, wann genau der Begriff shipping etabliert wurde, zumindestens in meinem Sprachgebrauch, aber irgendwann in diesem Zeitraum.)

Danach (im Zusammenhang mit meinem Laptop als Weihnachtsgeschenk) folgten viele, viele Serien, die ich alle in irgendeiner Art und Weise fangirlte, und ich wurde von allen irgendwie Teil des Fandoms.
Mal dauerte die obsessive Phase länger (iCarly und Seddie), mal war sie irgendwie immer konstant da und wurde mal stärker mal schwächer (HIMYM, insbesondere Robin/Barney) und manchmal war sie kurz, heftig und dann irgendwie vorbei. Glee. Damit meine ich Glee. Glee verdient allerdings nochmal einen Extrapunkt, weil ich in der Zeit extrem auf Twitter und Formspring aktiv war und durch Glee etwas kennenlernte: Tumblr. (Ja, wir sind da angelangt.)

Für den Kontext: Es war 2011, ich war 14, fast 15. Am Anfang bin ich tatsächlich fast nur Glee- und Star-Blogs gefolgt, habe hübsche Bilder von Dianna Agron, Alex Pettyfer und James Maslow gerebloggt und mich an meinem neuen hübschen Blog erfreut.

Die Glee-Blogs, denen ich gefolgt bin, fanden Glee natürlich nicht alle nur toll. Sie kritisierten und hinterfragten und wollten Antworten und Storylines und es war klasse. Versteht mich nicht falsch, Glee zu gucken war schon ab Staffel 3 irgendwie nicht mehr das geilste überhaupt, aber im Glee-Fandom zu sein? War fantastisch.
Aber je mehr ich investiert war, desto mehr bekam ich auch irgendwie das Drama mit: Zwischen Finchel- und Faberry-Shippern und Puckleberry und das einzige, worüber wir uns alle irgendwie einig waren, war Klaine.

Und ich war ja auch noch im Gossip Girl Fandom, und musste Debatten gegen Dair-Shipper führen (die führe ich übrigens immer noch gerne), im iCarly Fandom, das hautpsächlich aus noch jüngeren Mitgliedern als mir selbst bestand und das einzig Produktive, was da zustande kam, war “Seddie” oder “Creddie” in Youtube-Comments zu spammen, und im TVD Fandom, wo “Stelena gegen Delena” tatsächlich noch ein großes Thema war. (Im Nachhinein betrachtet sehr ironisch das ganze.)

Ich war also schon immer irgendwie in Fandom-Drama involviert, aber ich habe nie wirklich mitgemacht, in dem Sinne, dass ich selbst die wütenden Debatten geführt habe. Ich hab‘ eher andere reden lassen und dann passiv-aggressiv gerebloggt.

Sprung zum Januar 2012. Ich war 15 Jahre alt und hatte meine große Fandom-Liebe gefunden: Supernatural.
Und an dieser Stelle müsst ihr eins verstehen: Supernatural ist meine Serie. Ich kann über sie nicht sagen “Oh Gott, meine Kindheit”, wie über Harry Potter, aber ich kann sagen “Oh Gott, meine Pubertät zwischen 15 und 18” und das hat mich beinahe genauso viel beeinflusst.

Über Supernatural habe ich so viele Freunde gefunden, auf Twitter (you are still what I call home guys), ich habe so viel über Fandoms gelernt, ich habe die ersten fünf Staffeln mittlerweile sieben Mal gesehen und kann immer noch alle Folgentitel auswendig.
Ich habe alle nicht-Inzest-Fanfictions über Sam und Dean gelesen, die ich auf Fanfiction.net finden konnte, bin dann irgendwann zum RPF-Teil des Fandoms übergegangen (weil Fanfictions ohne Romantik kann man sich auch nur eine Zeit lang geben und wie ich bei Supernatural shippe, hatte ich ja hier schonmal erläutert) und habe alle J2-Fanfics gelesen, die ich auf LiveJournal finden konnte.

Ich war das erste Mal in einem richtig großen, besonderen Fandom mit einer massiven Fandomkultur und Conventions und tausend anderen Dingen. (Das Supernatural-Fandom wird oft als Beispiel für leidenschaftliche Fandoms genannt. Als langjähriges Mitglied kann ich das nur bestätigen.)

Und jetzt kommt der Teil des Blogposts, an dem die Musik aufhört und es traurig wird (wer diese Referenz verstanden hat, kriegt meine Liebe), denn natürlich war auch (oder gerade) im Supernatural-Fandom nicht immer alles schön und klasse. Wenn ich also, als ich mit Tumblr anfing, dachte, dass es im iCarly-Fandom abging, was Ships betraf (wir erinnern uns an die “Seddie vs. Creddie”-Spams in Youtube-Comments, die ich aber meistens cool fand, weil Seddie einfach viel, viel mehr Fans hatte), hatte ich keine Ahnung. Ich hatte ein paar Meinungen* zu einigen Sachen, aus anderen hab‘ ich mich lieber rausgehalten, aber darum soll es eigentlich auch gar nicht gehen.

Es geht eher darum, dass ich im Supernatural-Fandom eine wichtige Lektion gelernt habe:

Je mehr du ein Fandom liebst, je tiefer du drinsteckst, desto mehr machen dich negative Dinge fertig.

Ein allerletzter Zeitsprung, ins Jahr 2015, zum heutigen Tag. Ich bin immer noch in vielen dieser Fandoms, in manchen bin ich quasi gar nicht mehr (wie Glee – aber ich vermisse es immer noch), in manchen, wie zum Beispiel Harry Potter, bin ich nicht mehr aktiv, werde es aber natürlich immer irgendwie sein.
Ich gucke immer noch Supernatural, obwohl die Qualität deutlich nachgelassen hat, aber ich werde wohl immer irgendwie Supernatural rewatchen (bin gerade in Staffel 3) und Sam und Dean werden immer, immer ein riesiger Teil meines Lebens sein, denn das waren die beiden fiktionalen Charaktere, die mich durch genauso wichtige Jahre begleitet haben, wie es Harry, Ron, Hermine und Ginny getan haben.

Dieser Post wurde durch das Fandom inspiriert, in dem ich im Moment am aktivsten bin: Youtube. Insbesondere durch den Hashtag “youtubefandomhonestyhour”. Ich will auch gar kein besonderes Thema ansprechen (zu Youtubern, die Bücher schreiben, hatte ich ja hier schon etwas gesagt), sondern es geht immer noch um mich und Fandoms.

Denn als ich heute so durch den Hashtag scrollte und auf Twitter sah, wie meine Lieblingsyoutuber kritisiert wurden (nicht gehatet, das was ich gelesen habe, war Kritik), bin ich so wütend und traurig geworden, dass ich erstmal eine Weile etwas anderes machen musste.

Und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich schon wieder so tief drinstecke, dass sich negative Dinge auf mich und meine Stimmung auswirken, wie bei Supernatural Ship-Wars, wie beim HIMYM-Finale als ich wütend in der Dusche geheult habe, wie damals vor 4 Jahren, als Seddie sich getrennt haben und ich mich geweigert habe in der Schule darüber zu reden, weil ich wirklich nicht okay war.

Immer wenn ich so tief in einem Fandom drin bin, versuche ich eigentlich, rauszukommen, wieder mehr Richtung “casual fan” zu gehen. Bei Supernatural ist mir das nach 3 Jahren einigermaßen (nicht wirklich) gelungen, mal sehen wie lange es diesmal dauert.

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(***)

Ich weiß nur, dass ich die Twitter-Seite mit dem Hashtag “youtubefandomhonestyhour” jetzt schließe, versuche alle negativen Dinge des Fandom-Daseins zu verdrängen** und erfreue mich an der riesigen Menge an Content, die ich genießen kann.

Denn obwohl dieser Post eigentlich daraus entstanden ist, dass ich wütend war, und diese Wut irgendwo rauslassen wollte, ist daraus doch ein bisschen eine Liebeserklärung an all meine wundervollen und auf ihre eigene Weise tollen Fandoms geworden.

Ich werde wohl nie aufhören, alles und jeden zu fangirlen, aber ganz ehrlich: Will ich das überhaupt?

*[Die Kurzfassung meiner (kontroversen?) Supernatural-Meinungen (ACHTUNG, DAS HIER ENTHÄLT WIRKLICH NUR SUBJEKTIVE MEINUNGEN, HASST MICH NICHT): Nein, ich wollte nie, dass Destiel canon wird, weil ich die Storyline nie so gesehen habe. Ich habe absolut kein Problem damit, wenn andere Leute das wollten. Sam ist mein Lieblingscharakter, aber lange Zeit konnte ich mich nicht zwischen ihm und Dean entscheiden und ich finde wir sollten alle aufhören uns zwischen den beiden zu entscheiden. Ich finde bei Supernatural ist man weder “Team Dean” noch “Team Sam”, denn diese Team-Sache ist eine Twilight-Erfindung. Ich bin sauer, weil der Supernatural-Cast nur aus weißen Typen besteht. Die Show hätte nach Staffel 5 aufhören können, aber einige meiner Lieblingsfolgen sind auch in späteren Staffeln. Nach 11 Staffeln reicht es dann jetzt auch wirklich mal, ich hoffe sie versuchen es nicht weiter künstlich in die Länge zu ziehen. Jared Padalecki is literally made out of sunshine. Opinions Ende.]

**[Dass ich mich mit negativen Dingen in Fandoms manchmal nicht näher beschäftigen will, heißt nicht, dass ich blind und ohne zu reflektieren, in Fandoms bin und alles geil finde. Auch ich rege mich auf und sorge vielleicht manchmal unbewusst für negative Stimmung in Fandoms. Aber an manchen Tagen lasse ich das dann auch einfach mal sein.]

***[Sorry, ich musste Dan einfügen. He’s just such a meme.]

Warum jeder ein Buch schreiben sollte oder „Die Youtube-Szene“

Ach ja, Youtuber. Wer hätte gedacht, dass es auf meinem Blog auch irgendwann um Youtuber gehen würde? (Ja, okay, ihr alle. Lasst mir meine Illusionen.)

In den letzten Wochen (oder Monaten? Ich bin nicht sicher) haben viele (und damit meine ich sehr, sehr viele) berühmte Youtuber aus der Englisch-sprachigen Szene* bekannt gegeben, dass sie Bücher veröffentlichen werden.
Manche dieser Bücher sind fiktionale Jugendromane, wie zum Beispiel Zoella’s Girl Online, andere sind interaktive Bücher, wie Alfie Deyes‘ Pointless Book (ich hab‘ keine Ahnung was das sein soll, irgendwer meinte es wäre quasi ein leeres Buch?!) und manche sind sowas wie Memoiren, wie Joey Graceffa’s In Real Life: My Journey to a Pixelated World, Louise’s Life With A Sprinkle of Glitter oder Carrie Hope Fletchers All I Know Now.
(Und dann ist da noch Dan und Phil’s The Amazing Book Is Not On Fire, was ich jetzt einfach mal unter der Kategorie “bestes Buch, das je geschrieben wurde und ihr alle unbedingt kaufen solltet, sneaky promo Ende” einordnen werde.)

Und, um zum Kern dieses Artikels zu kommen: Aus irgendeinem Grund macht eine ganze Menge Leute diese Masse an Büchern super wütend.
So, so oft lese ich Kommentare unter Videos “Ah, noch ein Youtuber, der ein Buch veröffentlicht, wie originell” und ich weiß nicht ganz, was ihr mir damit sagen wollt, denn: Was ist denn das Problem?

Mögt ihr den Youtuber nicht und wollt unter keinen Umständen ein Buch von ihm lesen? – Dann… macht es doch einfach nicht?

Hasst ihr den Youtuber möglicherweise so sehr, dass selbst die Vorstellung jemand anderes könnte den Qualen ausgesetzt sein ein Buch von ihm zu lesen euch fertig macht und aus Nächstenliebe wollt ihr alle anderen vor diesem Buch schützen? – Ich will ja nicht die Übermittlerin schlechter Nachrichten sein, aber in 2015 darf in den meisten Ländern dieser Welt jeder die Bücher lesen, die er will und sich seine eigene Meinung darüber bilden – egal wie schlecht du den Autoren des Buches auch findest.

Lest ihr lieber Bücher von Schriftstellern, die sowas professionell machen und denen ihr mehr zutraut? – Ich hab‘ das Gefühl ich wiederhole mich, aber… Niemand. Zwingt. Euch. Dazu. Dieses. Buch. Zu. Lesen. Geschweige. Denn. Zu. Kaufen. Ich glaube John Green wird nicht pleite gehen, selbst wenn ihr euch ein Young Adult-Buch kauft, das nicht von ihm geschrieben wurde. (Ironischerweise ist der auch Youtuber. So kann’s gehen.)

Habt ihr Angst, bald werden nur noch Bücher von Youtubern veröffentlicht, die nach und nach andere Schriftsteller vom Markt verdrängen und bald gibt es nichts anderes mehr zu kaufen? – Hust. Dieses Argument habe ich tatsächlich auf Tumblr gesehen und: Das halte ich doch für sehr unrealistisch. Seit Jahren geben Stars Bücher heraus, mal haben sie zwei Sätze zu dem Buch beigetragen, mal ein bisschen mehr und manchen traue ich es sogar zu ihr Buch tatsächlich selbst geschrieben zu haben. Ich hab‘ mal das Buch von Harpe Kerkeling gelesen (sorry, ansonsten fällt mir niemand berühmtes ein, dessen Buch ich gelesen habe, daher dieses Beispiel), aber das hat mich nicht unbedingt davon abgehalten mein Regal mit Young Adult Fantasy-Romanen zu füllen oder mich dazu gebracht ab dem Zeitpunkt nur noch Biographien berühmter Leute zu lesen.

Das eigentliche Kernproblem ist doch eher: Seid ihr vielleicht einfach nur sauer darüber, dass Youtuber plötzlich als Stars angesehen werden und dadurch die Möglichkeit bekommen Bücher zu veröffentlichen?

Nachdem ich in den letzten Wochen ab und zu mal Diskussionen mitgelesen habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass es im Endeffekt eigentlich gar nicht um das Bücher schreiben an sich geht, sondern eher um die Einstellung gegenüber Youtubern im Allgemeinen: Die sitzen doch nur vor einer Kamera und reden Schwachsinn, das könnte ich doch auch? Wieso dürfen die ein Buch darüber schreiben, dass sie den ganzen Tag im Internet rumhängen und ich nicht? Wieso dürfen Youtuber überhaupt so coole Sachen machen und kriegen tolle Produkte und viel Geld, was können die was ich nicht kann?
Diese Einstellung finde ich ehrlich gesagt sehr schade, denn sie kommt nicht von irgendwelchen Großeltern, die mit dem Internet nichts anzufangen wissen und sich fragen, warum die jungen Leute sich sowas angucken. Nein, die Einstellung findet sich meistens bei den Fans dieser Youtuber. Youtube-Zuschauer sind also grundsätzlich der Meinung, dass ihr Lieblings-Youtuber, der sie vielleicht einmal pro Woche mit Entertainment versorgt, es eigentlich gar nicht verdient hat ein Buch zu veröffentlichen.

Klar, auch ich weiß nicht genau, welcher Youtuber es wirklich verdient hat ein Buch zu veröffentlichen, weil er wirklich Talent zum Schreiben hat, wer von ihnen auch einfach nur seinen Namen unter ein Produkt von jemand anderem setzt (wie im Fall von Zoella’s Ghostwriter-Skandal), und wer von ihnen sich vielleicht doch lieber auf Videos hätte beschränken sollen.
Es geht mir auch gar nicht darum, wie gut diese Bücher wirklich sind (ich habe keins von ihnen bisher gelesen, obwohl ich plane das Buch von Carrie und natürlich von Dan und Phil zu lesen), sondern um die Einstellung, die „Fans“ zu diesen Büchern haben, bevor sie überhaupt veröffentlicht wurden.

Aber eigentlich habe ich ja nur Angst, dass mein Lieblings-Youtuber gar nicht so ehrlich und nett ist wie ich immer dachte und nur ein Buch schreibt, weil es mittlerweile so leicht für Youtuber ist Bücher zu schreiben?! – Ich habe keine Ahnung wieso jeder einzelne Youtuber sich entschieden hat einen Buchdeal anzunehmen, manche tun es vielleicht aus ehrlichen Gründen, manche nicht, aber wichtig ist doch: Bildet euch eure eigene Meinung. Ich finde, Dan und Phil (ja, ich habe dieses für uns alle überraschend kommende Beispiel genommen, aber nur weil ich mich mit den beiden am meisten beschäftigt habe was diese Buchsache angeht, verklagt mich nicht) wirken ehrlich, wenn sie sagen wie viel Arbeit und Liebe und Herzblut in ihrem Buch steckt. Wenn ihr allerdings findet, dass sie andere Motive haben und ihnen nun nie wieder vertrauen könnt? Auch gut. Wir erinnern uns an die Sache mit der Meinungsfreiheit.

Ich weiß nur, dass ich es toll finde, dass Youtuber von Offline-Medien ernster genommen werden, ich finde es toll, dass Grace Helbig ihre eigene Fernsehshow hat, ich finde es toll, dass Dan und Phil auf Tour gehen und ich finde es genauso toll, dass meine Lieblings-Youtuber Dinge veröffentlichen, wie ich es toll finde, wenn meine Lieblings-Schauspieler in einem neuen Film mitspielen.
Youtube ist so eine komplexe Community und ich finde, wir sollten uns freuen, dass diejenigen, die wir uns praktisch als Stars ausgesucht haben unter tausenden von Youtubern, die Möglichkeit bekommen, mit ihrem Erfolg fantastische Dinge zu machen.

Außerdem habe ich heute unter Connor Franta’s neuem Video zu seinem Buch auf den ersten Blick drei Kommentare mit ungefähr dem gleichen Inhalt gesehen: “Eigentlich lese ich sonst nicht, aber für dich mache ich eine Ausnahme”. Und ist das nicht wahnsinnig toll? Dass junge Leute anfangen zu lesen? Ist es dann nicht egal, ob das Buch von einem Youtuber geschrieben wurde oder nicht? Ist es nicht sowieso toll, wenn alle Bücher schreiben und wir eine riesige Auswahl haben, was wir als nächstes lesen wollen?

Also, in diesem Sinne: Schreibt ein Buch, macht Videos, guckt Videos, geht auf Tour, tut was euch glücklich macht, kauft was euch glücklich macht, lest nur die Bücher, die ihr auch lesen wollt und lasst andere Leute Bücher schreiben und lesen.
Mehr Bücher für alle! Oder so.

*[Ich beziehe mich in diesem Artikel hauptsächlich auf den Englisch-sprachigen Teil von Youtube, da es in Deutschland noch einmal ein bisschen anders aussieht und irgendwie viel “hasserfüllter” und komplizierter ist, was bestimmte Themen angeht, während Bücher von deutschen Youtubern hingegen weitesgehend akzeptiert werden. (Außer das Slimani-Prinzip: Um ehrlich zu sein weiß auch ich nicht ganz genau, wieso Sami Slimani es verdient hat ein Buch zu veröffentlichen und was er spannendes zu erzählen haben könnte, aber da wären wir wieder beim Thema von oben, also: Lasst die Saminator ein Buch ihres Lieblings-Youtubers lesen, ich lese dann eben die Bücher meiner Lieblings-Youtuber!)
Irgendwann werde ich auch mal über die deutsche Youtube-Szene im Unterschied zur englisch-sprachigen schreiben, aber das gehört nicht in diesen Artikel.]

Alicia’s Anatomy: How to Become a Doctor 101

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Dieser Blogeintrag ist schon lange überfällig, denn wie manche von euch wissen, habe ich gerade das zweite Semester meines Medizinstudiums begonnen. Ich kann euch jetzt also schon ausführlich alles über mein erstes Semester berichten und wie es eigentlich so ist Medizin zu studieren.

Eine Frage, die man natürlich immer gleich nach der ersten Woche gestellt bekommt, ist: “Und, wie gefällt es dir?” Und ich antworte ehrlich: “Gut.” Je nachdem wer fragt, mal mit mehr, mal mit weniger Enthusiasmus, denn: Ich liebe mein Studienfach, ich will unbedingt Ärztin werden, aber es ist nicht komplett hundert prozentig so, dass mir alles immer Spaß macht.
Medizin studieren ist nämlich vor allem eins: Scheiße anstrengend.
Wer auch immer meinte, Medizinstudienplätze nach dem NC vergeben zu müssen, war eigentlich ganz schön blöd, denn auf Intelligenz an sich kommt es im Studium nur zweitrangig an. Man braucht vor allem eins: Durchhaltevermögen und Fleiß.

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Egal was irgendwer euch erzählt, egal wie begeistert derjenige von Naturwissenschaften oder Krankheiten oder dem Arztberuf auch immer sein mag, egal wie leicht es jemandem fällt zu lernen, Medizin studieren ist so anstrengend, dass ich in der Klausurenphase wochenlang in der Bib gesessen und Tonnen an Schokolade verzehrt habe und das obwohl ich nach dem Minimal-Aufwand-Prinzip gelernt habe. (Es gibt natürlich auch Kommilitonen, die sich ab Semesterstart jeden Tag 5 Stunden vor ihre Bücher setzen, aber ich muss doch zugeben, dass das nicht meine bevorzugte Lernstrategie ist. Upsi.)
Warum ich nicht immer ganz erklären kann, warum mich nicht alle meine Studieninhalte super doll faszinieren, ich aber trotzdem begeistert von meinem Studium bin (und das bin ich, glaubt mir), liegt vor allem am Aufbau des Medizinstudiums.
Die ersten vier Semester (die “Vorklinik”) sind nämlich erstmal Grundlagen pauken. Bio, Chemie, Physik, Terminologie, Biochemie, Soziologie, Psychologie, Physiologie, Anatomie, Histologie. Danach kommt das Physikum (was viele von euch bestimmt noch unter der Bezeichnung “erstes Staatsexamen” kennen) und erst danach (in der “Klinik”) geht es wirklich los, danach lernen wir, wie wir Krankheiten erkennen und behandeln und all den coolen Scheiß, den man mit einem Medizinstudium in Verbindung bringen würde. Alle älteren Semester sagen: Schaff es bis nach dem Physikum, dann wird es angenehmer.
Und deswegen befinde ich mich momentan eher in einer Art Durchhalte-Phase für die nächsten 3 Semester.
Aber das heißt nicht, dass ich nicht auch schon jetzt coole und spannende Dinge lerne und jeden Tag mies gelaunt zur Uni fahre. Eher im Gegenteil, wir haben schon Anatomie-Präpkurs (ja, das ist cool, ja, da schneiden wir echte Leichen auf, ich hoffe ich hab‘ jetzt nicht die Hälfte von euch verschreckt) und auch wenn ich für ein Semester Anatomie wohl mehr lernen musste, als für alle meine Abi-Fächer mal drei genommen (und es kommt noch das dritte Semester, in dem wir noch viel, viel mehr Anatomie lernen müssen, oh Gott), war es doch eines der spannendsten Themen bisher.

'Actually, you're my second patient if you count that cadaver in med school.'
Manchmal habe ich das Problem, das wohl jeder in seinem Studiengang irgendwann mal hat und frage mich: Wozu brauche ich den Scheiß eigentlich mal? Und das ist auch so ein bisschen das Problem an der Vorklinik: Viele Dinge (zum Beispiel die chemischen Grundlagen) müssen wir nachher (fast alle) nie wieder anwenden, das meiste dient als Basis, auf dem der Stoff in der Klinik nachher aufbauen kann. Ich glaube nicht, dass ich zum Beispiel in Physik (trotz bestandener Klausur) irgendeine Basis erworben habe, auf der irgendwas aufbauen kann, aber okay.

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Von den Studieninhalten mal abgesehen, ist Marburg eine wunderschöne Stadt zum Studieren, was mir vor allem jetzt im Sommersemester auffällt. Am Anfang war ich doch etwas enttäuscht mich nicht für eine etwas größere Stadt entschieden zu haben, wenigstens eine mit U-Bahn, aber mittlerweile fühle ich mich so wohl in Marburg, dass mich selbst die manchmal etwas fragwürdigen Busverbindungen überhaupt nicht mehr stören.
Ich war in den letzten Tagen zwei Mal mit meinem Semesterticket in Frankfurt (nur eine Stunde mit der Bahn entfernt), saß draußen in Marburg an der Lahn und hab‘ mit Freunden Eis gegessen, ich war sogar auf einer Party (jaha, ich, könnt ihr es fassen?) und es war sehr schön. (Ich weiß, ich hab‘ gesagt Medizinstudenten haben nie Zeit, es war die erste Woche und wir hatten noch nicht so viele Veranstaltungen, okay?! Gönnt mir das bisschen Freizeit, was ich habe!)

Wer von dem ganzen Kauderwelsch jetzt verwirrt war, das wichtigste ist eigentlich:
1. Medizin studieren ist cool, aber in den höheren Semestern wird es (hoffentlich) cooler.
2. Ich entschuldige mich für mein ganzes Rumgeheule während der letzten Klausurenphase, das geht jetzt aber leider noch 11 Mal so.
3. Vielleicht werde ich irgendwann eine fleißige Studentin, die das ganze Semester über nichts vor sich herschiebt und dann nicht alles kurz vor den Klausuren erledigen muss.
4. Physik und Chemie sind kacke, aber man braucht es nachher nie wieder und bestehen ist nicht so schwer.
5. Anatomie kriegt man hin, wenn man viel Durchhaltevermögen hat und gut im auswendig lernen ist.
6. Studieren macht im Sommer viel mehr Spaß als im Winter.